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Aus dem Flensburger Tageblatt vom 14. Dezember 2010

 

Weihnachtsmusik mit romantisch verklärter Frömmigkeit

Kirchenmusik zur Weihnachtszeit einmal anders: In der Nikolai-Kirche wurde es idyllisch-sentimental. Weitab von Bach und seiner barocken Festlichkeit kam diesmal reinste Romantik zum Tragen.


Wohl die Freude an der Wiederentdeckung ließ KMD Michael Mages mit seinem Sankt-Nikolai-Chor das fast vergessene Werk „Der Stern zu Bethlehem“ von Josef Gabriel Rheinsberger (1839-1901) einstudieren.

 

Mit sicht- und hörbarem Vergnügen intonierte der gut aufgelegte, homogene Chor dieses emotionsgeladene Stück. Zuvor war die Weihnachtskantate „Vom Himmel hoch“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) noch nahe an der Bach’schen Tradition mit Pauken und Trompeten, grandioser Feierlichkeit und festlichem Jubel dahergekommen. Das bewährte Ensemble Ars Musica konnte hier wie auch da sein klangliches Potential mit viel Verve präsentieren.


Rheinsbergers „Stern zu Bethlehem“ entführte dann direkt in die Spätromantik. Der Komponist, Hofkapellmeister des bayrischen Königs Ludwig II., hatte sicher ein der geschnitzten alpenländischen Weihnachtskrippen vor Augen, als er die sentimentale Dichtung seiner Ehefrau Fanny von Hofnaaß vertonte.

 

Rheinberger verstand sein Handwerk und spielte gekonnt auf der Klaviatur der versöhnlich-liebevollen Gefühle; geradezu bildhaft ist seine detailversessene Komposition. Unwiderstehlich das Leitmotiv, da geht ein Stern auf, von Chor und Orchester mit großer Strahlkraft imaginiert. Hingebungsvoll schwelgen Chor, Solisten und Orchester in lyrischer, pastoraler Frömmigkeit, und das Solisten-Ensemble darf sich vor diesem beschaulichen Hintergrund wirkungsvoll präsentieren.

 

Marret Wingers heller, warmer Sopran überzeugte besonders in Marias Wiegenlied, Ansgar Hünings wohlklingender Bariton, Markus Wessiaks sonorer Bass und Wojciech Zyffert (Tenor) glänzten in ihren Soli und verkörperten die drei Könige mit Grandezza und biedermeierlich angehauchtem Pomp.


Und einmal mehr ließ der Chor den Stern erstrahlen, fast greifbar nahe rückten die Hirten auf dem Feld, die Kamelkarawane und der Stall zu Bethlehem. Der letzte Satz nahm das Anfangsthema noch einmal auf, um dann völlig überraschend in einer strahlenden Fuge zu enden. Da wurde dann aus romantischer Sentimentalität letztlich doch noch barockes Weihnachts-Gepränge.

 

Ein gelungene Wiederentdeckung oder allzu viel Glückseligkeit? Die Musik zur Weihnachtszeit bietet zum Glück viel Raum für mannigfaltige Ausdrucksmöglichkeiten.

 

(Ursula Raddatz)


 

Aus dem Flensburger Tageblatt vom 23. März 2010

 

Johannes-Passion mit resignativer Grundstimmung

Der 325. Geburtstag Johann Sebastian Bachs zeitigte in Flensburg erstaunliche Wirkung: Gleich drei Kantoren ehrten den Thomaskantor mit der Aufführung eines seiner Oratorien – sinnigerweise alle zur gleichen Zeit, so dass der engagierte Musikfreund sich notgedrungen für eine der Aufführungen zu entscheiden hatte.


In diesem Falle ist also von der Johannes-Passion BWV 245 zu reden, die Michael Mages mit seinem Sankt-Nikolai-Chor und dem Ensemble Ars Musica im akustisch nicht unproblematischen Altarraum von St. Nikolai aufführte.

 

Und er überraschte mit einer für ihn ungewohnten Sichtweise: Das lyrisch-meditative Element dominierte diesmal, dramatische Schärfen und Attacken wirkten entschärft, die meisten Tempi waren stark zurückgenommen, die sonst für die Johannes-Passion so typische Erregung der Turba-Chöre kam gedämpft und fast gelassen daher.

 

Gelegentliche Unschärfen und rhythmisch verzögerte Einsätze verstärkten das Hörbild: Die Innenspannung war einer fast resignativen Betrachtungsweise gewichen, was weitgehend in den Arien und Ariosi seine Entsprechung fand. Martin Hundelt gab einen ziemlich neutralen Evangelisten, tonschön und textverständlich, der sich expressiver Gemütsbewegungen konsequent enthielt. Manuela Mach wusste vor allem in ihrer zweiten Arie den Tod Jesu mit ausmodulierten und tief empfundenen Kantilenen zu kommentieren, was den lyrischen Fokus dieser Aufführung einmal mehr betonte.


Antje Bitterlichs seraphische Sopranstimme hat zwischenzeitlich im Kern zugelegt, verfügt aber noch immer über ihren zartlyrischen Silberglanz, der in ihren beiden sorgsam gestalteten Arien eine Aura entspannter Jenseitigkeit imaginierte. Lediglich Thomas Peter mit modulationsfähigem, kernig-virilen Bass widmete sich mehr den musiktheatralisch-dramatischen Elementen der Bach’schen Partitur. Er präsentierte eine bravourös changierende Sicht auf das grausige Passionsgeschehen zwischen strömend-ariosen Kantilenen, pointierter Wortdeklamation und präziser, emotional geprägte Agitation – effektvolle Kontrastwirkung zur sonst kontemplativen Grundstimmung dieser Aufführung.


(Detlef Bielefeld)

 


 

Aus dem Flensburger Tageblatt vom 17. März 2010

 

Johannes-Passion erklingt in Flensburgs Sankt Nikolai

 

Durch ihre Chor-und Instrumentalmusik genießt die Kantorei der Sankt Nikolaikirche in Flensburg einen landesweiten Ruf. Besucher der Konzerte sprechen von einem einzigartigen Klang- und Kunstgenuss.

 

In der diesjährigen Passionszeit und anlässlich Bachs 325. Geburtstag lässt Kirchenmusikdirektor Michael Mages zusammen mit dem St. Nikolai Chor, dem Ensemble Ars Musica und renommierten Solisten die "Johannes-Passion" am Sonntag, 21. März, erklingen.

 

Die besondere Attraktivität der musikalischen Darbietung von Passionsmusik liege, so Thomas Bornemann, Pastor der St. Nikolaikirche, in der Verbindung von Form und Inhalt.

Die gotische Kirche bilde den geeigneten Rahmen für den musikalisch inszenierten Inhalt der biblische Geschichte um die Auferstehung Jesu.

Ausgewählte Choräle aus der Passion werden zudem beim ARD-Fernsehgottesdienst an Karfreitag, 2. April, der bundesweit aus Sankt Nikolai übertragen wird, zu hören sein.

 

(Julia Lucas)