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Aus dem Flensburger Tageblatt vom 18. Dezember 2012:

Händels „Messiah“: Konzert der Extraklasse in St. Nikolai

Auch 271 Jahre nach seiner Entstehung übt der „Messias“ von Georg Friedrich Händel immer noch eine solch ungeahnte Faszination aus, dass die ehrwürdige St. Nikolaikirche zu Flensburg kaum genug Raum bot für alle Besucher, die sich dieses opulente Werk nicht entgehen lassen wollten.

Wie sehr „der Messias“ es vermochte, den St.-Nikolai-Chor, die vier Solisten und das Orchester-Ensemble Ars Musica zu Höchstleistungen anzuspornen, wurde schnell hörbar. Händel selbst hat seine Komposition in nur 23 Tagen fertiggestellt, sich diese vertonten Episoden aus dem Leben Jesu zu erarbeiten, benötigte mehr Zeit, gerade für den Chor, der daneben noch geregelter Arbeit nachgeht.

KMD Michael Mages hat ein ausgezeichnetes Gespür dafür, dieses emotionsgeladene Werk individuell zu gestalten, dem Chor viel Raum zu geben um sich ständig steigernd und kontrastreich zu beinahe überirdischem Gesang zu erheben. Das wurde im weltweit bekannten Jubelchor, dem „Hallelujah“ besonders deutlich, als die Sopran-Stimmen in engelhafte Höhen entschwebten.

Die Sechzehntel-Koloraturen, die verkünden, „dass uns ein Kind geboren ist“ gelangen dem auch in der Textverständlichkeit bestens präparierten Nikolai-Chor ebenso gut wie den tiefen Schmerz um die Leiden Jesu zu vermitteln und die Qualen, die er am Kreuz erduldet.

Das Solisten-Quartett stand dem keineswegs nach. Marret Winger gestaltete mit ihrem kristallklaren, strahlenden Sopran besonders anrührend die Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Der warm-timbrierte Alt von Manuela Mach gab den Themen um die Geburt des Herrn emotionale Tiefe und gefiel besonders im zarten Hirtenduett mit dem Sopran. „Every valley“, alle Täler, Berge und Hügel besang Tenor Nicholas Smith gleich zu Beginn und bestach durch seine Strahlkraft, Lyrik und große Ausdrucksstärke, während Julian Redlins Bass mit wohldosierter Dramatik und textorientierter Modulation auch in mitreißender Zwiesprache mit der Trompete, das jüngste Gericht heraufbeschwor.

Das Ensemble Ars Musica ließ hochmotiviert und engagiert nicht nach, Chor und Solisten effektvoll zu unterstreichen und in den Instrumental-Stücken solistisch zu glänzen. Die meisterhaft gelungene „Amen“-Fuge beendete nach zweieinhalb Stunden ein Konzert der Extraklasse mit nicht enden wollendem Applaus und „Standing Ovations“!

(Ursula Raddatz)



Aus dem Flensburger Tageblatt vom 6. November 2012:

Zwei Chöre in französischer Klangpracht

Eine opulente Sache war es allemal – zwei Chöre, die sich vor dem Altar der St.-Nikolai-Kirche zu Flensburg aufgebaut hatten gegenüber dem prachtvollen Orgelprospekt und dazwischen die vielen Zuhörer, die sich an französischer Klangpracht berauschen wollten, der Großartigkeit, Klangsinnlichkeit und Suggestivkraft, die dieser liturgischen Musik zu Grunde liegt.

Der Zusammenschluss der Nikolai-Chöre aus Flensburg und Eckernförde erwies sich als Glücksgriff unter der kompetenten Leitung von KMD Katja Kanowski, die mit weit ausholenden, eleganten Gesten ihre Heerscharen dirigierte. Vom harmonisch-verhaltenen Beginn, dem gewaltig aufbrausenden Fortissimo des 150. Psalms von César Franck (1822-1890) und der kurzen „Messe solenelle“ von Charles-Maria Widor(1845-1937), für die vier Bariton-Herren aus dem Chor des Landesttheaters zur Verstärkung herbeigeeilt waren, bis zum verhauchenden Piano im „Agnus Dei“, der Chor meisterte engagiert alle Herausforderungen und hatte seine größten Momente in den ganz leisen Tönen.
Zum Schluss erbebte
die Nikolaikirche

Das Fernwerk der großen Woehl-Orgel unterstützte als wichtige „Chor-Orgel“ die Sänger, während KMD Michael Mages auf der Hauptorgel in symphonischer Klangfülle schwelgen durfte. Für die „Beatitudes“, die Seligpreisungen von Arvo Pärt (*1935) bildete die Orgel ein dunkles Fundament, auf dem der Chor seine an Gregorianik gemahnenden, kontemplativen Mönchsgesänge aufbaute. Noch verhaltener, einem Schleier zartester Klangfarben gleich – die Improvisationen von KMD Mages. Im gewollten Kontrast zur Überfülle der Orgel-Romantik baute sich über einer dahin schwebenden Cantilene langsam ein alles überflutender Klangfarbenrausch auf – zum Orgel-Genuss pur. Das „Adoro te“ von Gaston Litaize (1909-1991) – sehr schön zelebriert als alter Kirchen-Gesang in sanft modernem Gewand. Zum Schluss erbebte die Nikolaikirche bei Jean Langlais (1907-1991) „Te deum“ mit Pauken und Trompete, geballter Sängerkraft und überwältigendem Orgelgebraus. Einfach prächtig!

(Ursula Raddatz)



Aus der Eckernförder Zeitung vom 5. November 2012:

Viel Applaus für die Französische Klangnacht
Konzert der St.-Nicolai-Chöre Eckernförde und Flensburg
stößt auf Begeisterung

Es war gegen 20.15 Uhr, als minutenlanger, frenetischer Beifall die St.-Nicolai-Kirche erfüllte. Nach einem fulminanten Konzert der St.-Nicolai-Chöre aus Flensburg und Eckernförde kannte die Begeisterung in der vollbesetzten Kirche keine Grenzen. Es war, wie Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski angekündigt hatte, ein ganz besonderes Konzert.

Im Mittelpunkt stand neben den Chören die ehrwürdige Heßler-Orgel. Die beeindruckende Orgel aus dem Jahr 1762 feiert in diesem Jahr ihren 350. Geburtstag und wird daher in verschiedenen „Geburtstagskonzerten“ besonders geehrt.

Der Flensburger Kirchenmusikdirektor Michael Mages begleitete an der Heßler-Orgel die St.-Nicolai-Chöre, die schon oft Gemeinschaftsprojekte zu Gehör gebracht haben und auch am Sonnabend durch Stimmgewalt, Klangfülle und beeindruckende Harmonie überzeugten.

Herzstück des Konzerts „Französische Klangpracht“ war die Messe „solenne“ in fis-moll, ein Arrangement in typisch französischer Tradition, das in dieser Weise wohl einmalig ist. Das groß besetzte Stück verlangt neben dem gemischten Hauptchor einen stark besetzten Bariton-Chor, der an diesem Abend mit Unterstützung von vier Baritonen des Flensburger Landestheaters zustande kam. Das Konzert, getragen durch Orgel und 120 Stimmen war eine beeindruckende Leistung an Klangsinnlichkeit und Klangfülle: feine Melodien und Tonfolgen, die sich zu fulminanten Höhen steigerten und in Klangexplosionen gipfelten, sakrale Musik mit atemberaubender Fülle und großartiger Emotionalität.

„Klatschen ausdrücklich erlaubt“, hatte Katja Kanowski zu Beginn des Konzerts als Motto ausgegeben. Nach den Stücken bedurfte es aber immer ein paar Sekunden, bis die Zuhörer sich vom tiefen Eindruck lösen und ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen konnten. Erst mit dem allerletzten Ton sammelten sich die Konzertgäste vollständig und bekundeten allen Musikern durch minutenlangen Applaus ihre Begeisterung.

„Eine beeindruckende Stunde fantastischer Musik“, urteilte auch Kurzurlauberin Siglinde Fegers, die aus Nordrhein-Westfalen angereist war. Für sie hatten sich der Trip ins Ostseebad schon wegen des Konzerts auf jeden Fall gelohnt.

(Iris Haulsen)



Aus dem Flensburger Tageblatt vom 2. Mai 2012:

Franz Schubert in all seinen Facetten

Franz Schubert, wie er unterschiedlicher kaum sein könnte, präsentierte am Sonntag Nachmittag KMD Michael Mages und sein hochmotivierter Chor in der Flensburger St. Nikolai-Kirche. Ihm zur Seite standen zudem das bewährte Ensemble „Ars Musica“ und ein homogen agierendes Solisten-Team.

Schubert, der Jugendliche, der Symphonische und der Religiöse – drei Facetten eines Ausnahme-Komponisten versprachen ein äußerst interessantes Konzert. Schubert selbst hat wohl seine große „Messe in Es-Dur“ nie in einer Aufführung erleben dürfen, er starb er kurz nach der Vollendung . Sehr eigenwillig und oft gegen jede Tradition stellt Schubert vor allem den Chor vor extreme Herausforderungen, der die zahlreichen Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Abschnitten und den ausufernden Fugen in Gloria und Credo mit Bravour meisterte. Ob flehendes Kyrie, ob sich dramatisch zuspitzendes Credo als das wichtigste Element dieser Messe unter Michael Mages einfühlsamer Leitung. (Hier hat der Zeitunsverlag wohl ein paar Worte verschluckt. Anm. der Red.)
Mages dirigierte mit leichter Hand und ließ mit seinen „himmlischen Heerscharen“ in Chor, Solisten und Orchester, Schuberts tiefe, bereits jenseitig wirkende Emotionen hör- und spürbar werden.

Ganz anders zeigte sich der Beginn des Konzertes mit dem fröhlich-festlichen „Magnificat“, Schuberts Jugendwerk- mit heiterem Jubel noch ein wenig an Mozart erinnernd. Die Solisten setzten die Glanzlichter, allen voran Marret Winger, Sopran, die der Seele in engelsgleichen Höhen Ausdruck verlieh und von Manuela Mach, Alt, Nicholas Smith, Tenor, und Gustav Wilkens, Tenor, harmonisch umrahmt wurde; der volltönende Bass von Jonathan de la Paz Zaens kam erst in der Es-Dur-Messe zum Einsatz.

Schuberts Interpretation von Weltschmerz und Gebrochenheit, von volksliedhaften Elementen durchzogen, das ist die Sinfonie in h-moll, die so genannte „Unvollendete“. Sie wirft immer wieder Fragen auf mit all ihren Brüchen und Tonartwechseln, Sehnsucht, Wehmut und der Ahnung vom Beginn einer neuen Zeit. Beinahe durchsichtig und doch eindringlich-ausdrucksstark ließ das engagiert aufspielende Ensemble „Ars Musica“ Schuberts populäres Werk neu und frisch erstehen.

Lang anhaltender Applaus für ein außergewöhnliches Konzert.


(Ursula Raddatz)