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Aus dem Flensburger Tageblatt vom 17. Dezember 2013:

Englische Chormusik zur Weihnachtszeit:
mit Hingabe serviert

Geistliche Chormusik aus zeitgenössischer Feder: ein unkalkulierbares Risiko an der Abendkasse? Ganz im Gegenteil, wenn man das jüngste Weihnachtskonzert in der Sankt-Nikolai-Kirche miterlebte, in der Michael Mages mit seinen Musikern John Rutters „Magnificat“ (1990) und Benjamin Brittens „Saint Nicolas“ (1948) zu einem veritablen Publikumserfolg verhalf.

 

Brittens „Nikolaus-Kantate“ verbindet kantable Eingängigkeit mit naturalistischen Effekten, erzählt die wundersame Heiligen-Vita in narrativer Farbigkeit, mixt anrührenden Wohlklang mit gemäßigter Dissonanz und verblüfft mit flexiblen Überraschungen wie Fernchor, sinnfälligem Einsatz von Kinderstimmen und einer farbig instrumentierten Musiksprache. Der mit spürbarer Hingabe agierende Sankt-Nikolai-Chor, die Präzision der jugendlichen Vokalsolisten nebst der flexiblen Assistenz des gewohnt zuverlässigen Ensembles „Ars Musica“ verwandelten diese originelle Kantate unversehens in ein spektakuläres Oratorium, was durch die machtvolle Mitwirkung der Zuhörer in den beiden Chorälen noch zusätzlich unterstrichen wurde. Nicolas Hurndall Smith war der unerschütterliche Heilige mit vorzüglicher Diktion und gewinnender Deklamation. Eine typisch britische, „weiße“ Tenorstimme, die etwas eng geführt einen frühchristlichen Wundermann von eher nachdenklicher Statur formte.

 

Von anderem Charakter das „Magnificat“ des britischen Hofkomponisten John Rutter: ein tabuloser Mix quer durch die Stilarten der Musikgeschichte vom Gregorianischen Choral bis zum jazzigen Fugato im „Fecit potentiam“ zu Schlagwerk und Orgel. Rutters ausdifferenzierte Musiksprache lebt vom ständigen Wechsel aus tonaler Schlichtheit, reizvoller Ganztonchromatik und filmmusikalischen Effekten. Chor und verkleinertes Orchester ließen sich von Michael Mages in diese harmlos-fröhliche Musikwelt einbinden, stürzten sich mit Verve in rhythmische Vertracktheiten und wussten die emotionalen Botschaften des Verkündigungsgeschehens unmittelbar zu vermitteln. Diese melodische, stets vorhersehbare Musiksprache wurde dann doch noch geadelt von den zwei lyrischen Arien, denen Antje Bitterlich mit kerniger Süße und herrlich aufblühendem Sopranglanz ebenso innige wie anmutige Gewichtung verlieh.

 

(Detlef Bielefeld)

 



Aus dem Flensburger Tageblatt vom 26. November 2013:

Bewegendes Konzert zum Totensonntag

Des allzeit präsenten Themas von Leben und Sterben hatte sich die Cappella St. Nikolai, der Kammerchor der Flensburger St. Nikolaikirche, an diesem Ewigkeits-Sonntag auf besonders bewegende Weise angenommen.

Mit Präludium und Fuge in c von Johann Sebastian Bach gelang Kerstin Petersen, Konzertorganistin aus Hamburg, ein perfekter Einstieg.

Sie hatte den Orgelpart übernommen und verstand es gekonnt, die vielen Facetten der großen Woehl-Orgel herauszuarbeiten, sei es im strahlenden Barockglanz der Schnitger-Orgel oder in den vielfältigen Nuancen des symphonischen Orgelteils.

Für den Chor war ebenfalls Bach und seine variantenreiche Motette „Jesu, meine Freude“ das richtige Entrée. Unter der behutsamen, präzisen Leitung von Kirchenmusikdirektor (KMD) Michael Mages zeigte der Kammerchor nicht nur einen sensiblen Umgang mit dem vertonten Wort, sondern nahm engagiert und stimmlich ausgewogen die Klippen der Bachschen Motette mit Bravour.

Das stilistisch breit gefächerte Repertoire machte das Konzert zum besonderen Erlebnis.

Von der Orgelempore aus intonierte der Chor in mystischer Jenseitigkeit Gabriel Faurés „Cantique de Jean Racine“. Zeitgenössische Komponisten folgten, die dem Chor besonders entgegenkamen: Knut Nystad, der in seinen anrührenden Stücken kirchliches Liedgut mit moderner Klangtechnik verknüpfte, Eric Withacres „Lux Aurumque“, warm und schwer wie pures Gold, und Herbert Howells, dessen „Magnificat“ mit sanfter Orgelbegleitung zu einer bewegenden Lobpreisung Mariens wurde.

Ein kleines Highlight, die Lesung eines Gedichtes von Ursula Vaughan Williams „A Hymn for St. Cecilia“ und dessen darauf folgende Vertonung von Herbert Howells. Kerstin Petersen an der Orgel zeigte mit Kompositionen von Sigfrid Karg-Elert und William Albright individuelle Harmonik und ungewöhnliche Klang-Cluster. Schluss- und Höhepunkt: Jubilar Benjamin Britten, dessen „Festival Te Deum“ Chor und Organistin mit seiner satztechnischen Raffinesse viel abverlangte, da schwang sich der Sopran in engelsgleiche Höhen über einer tiefen, raumfüllenden Orgelbegleitung in einer einzigartigen musikalischen Zwiesprache mit der Ewigkeit Gottes.

Minutenlange Stille – dann belohnte donnernder Applaus diese großartige Leistung.

 

(Ursula Raddatz)

 


 

Aus der Südwestpresse vom 8. Oktober 2013:

 

Anspruchsvolle Messe bei den David-Tagen
Moderne Chormusik kann richtig schön klingen: Bei den Ulmer David-Tagen sang die Flensburger Kantorei im Münster ein feines Konzert.

Bemerkenswert intonationsrein brachte der Sankt-Nikolai-Chor aus Flensburg am Sonntagabend im Münster die bitonale "Missa choralis" von Johann Nepomuk David zur Aufführung. Bei diesem Konzert aus Anlass der "David-Tage Ulm" der Internationalen Johann-Nepomuk-David-Gesellschaft überzeugte die auf moderne Chormusik spezialisierte Kantorei auch mit Werken von Kodály, Nystedt und Pepping.


Seit Februar hatten sich die 40 Sängerinnen und Sänger mit der A-cappella-Messe Davids aus dem Jahr 1953 beschäftigt. Nicht alle Sänger waren anfangs angetan gewesen von den Klängen, mit denen der 1977 in Stuttgart verstorbene Komponist und Hochschulprofessor in seiner technisch höchst anspruchsvollen Messe spielt. Doch beim Konzert wirkten diese Harmonieschichtungen durchaus überzeugend, wenn auch an manchen Stellen das Bangen um die richtige Tonhöhe durchschimmerte.


Der anspruchsvollen Chorkomposition, die eher mit Klangnuancen und Clustern als mit Rhythmus arbeitet, kam die hohe klangliche Qualität der Flensburger Kantorei sehr gelegen. Intensive Stimmbildung der Mitglieder brachte es mit sich, dass der Sopran nie hart klang, dass sich keine Stimme dynamisch über die andere erhob. Ein faszinierend ausgewogener Chorklang beherrschte den ganzen Abend.


Hochkonzentriert, fast meditativ führte Kirchenmusikdirektor Michael Mages seinen Chor durch das facettenreiche Programm. Die 40 Sänger waren so gut auf ihn eingestimmt, dass die kleinste Handbewegung reichte, um Knut Nystedts "Lobet den Herren" noch stärker anschwellen zu lassen. Spannend zu erleben war die selten aufgeführte Motette "Jesus und Nikodemus" von Ernst Pepping: ein quicklebendiges musikalisches Zwiegespräch zwischen Jesus und Nikodemus. Mit großer Souveränität bot der Chor unter der höchst präzisen, spannungsreichen Leitung von Mages dieses Kleinod der protestantischen Kirchenmusik.


Am Anfang des eineinhalbstündigen Konzerts stand eine musikalische Hommage an den großen Meister der Motette, Heinrich Schütz, an dessen Prinzip der Mehrchörigkeit sich Johann Nepomuk David bei seiner Bitonalität angelehnt haben mag.

 

Und dazwischen erklang immer wieder frisch beschwingt und bewegt Orgelmusik von der Chororgel, die der Ulmer Kantor Johann Friedemann Wieland bediente. Wieland legte bei Pachelbels Partita über den Choral "Was Gott tut, das ist wohlgetan" besonderen Wert auf eine nuancenreiche Registrierung und brachte sich mit den vielen Klangschattierungen stimmig in die reiche Klangwelt des Chores ein.

 

(Marina Staiger)

 


 

Aus dem Schleiboten vom 11. Februar 2013:

 

Magischer Tanz von Stimme und Saxophon


Mehr als 230 Zuschauer besuchten das Benefizkonzert „Northern Mystics“ zugunsten von Ngaruma

Große, strahlende Kinderaugen in dunklen Gesichtern, Jugendliche aus Tansania bauen begeistert an ihrer Schule, deutlich afrikanisches Flair – ein unübersehbarer Hinweis auf den Zweck dieser Veranstaltung, dem Benefizkonzert zugunsten der Jugend eines kleinen Dorfes in Tansania. Dies alles lief unaufdringlich, lautlos in der St. Nikolaikirche zu Kappeln auf einer großen Leinwand ab, während im Altarraum Fabian Ahrens sein Cello leise und meditativ zum Klingen brachte. Hauke Kliem zauberte zarte Gitarren-Girlanden dazu, am Keyboard mischte, mangels Orgel, Michael Mages scheinbar Improvisiertes mit hinein.

 

Dann wagte sich der „Saxophon-Hexenmeister“ Richard Wester ein wenig zu nah ans Mikrophon, die hervorragende Akustik der Kirche trug den Klang zu gut – es dauerte einen Moment, bis sich das Ohr daran gewöhnte.

 

Ein wenig Jazz, gepaart mit Folk, der unwiderstehliche Rhythmus zog die Zuhörer in seinen Bann, erst recht als Sängerin Anne Hartkamp das Mikrophon in die Hand nahm. Beinahe magisch umkreisten sich Stimme und Saxophon, die Stimme wurde zum menschlichen Musikinstrument, das Saxophon zum mystischen Ausdruck der Seele. Atemlos lauschend ließ sich das Publikum von Anne Hartkamps schamanisch-archaisch anmutenden Gesängen und der sehr elementaren und doch modernen Begleitung wie auf Drachenflügeln aus der Urzeit direkt ins 21. Jahrhundert katapultieren.


Mystisch wurde es, als die Capella Sankt Nikolai, der Kammerchor aus der Nikolaikirche zu Flensburg antrat, um unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Michael Mages, die kurze Messe, die „missa brevis“ von Palestrina (1515-1594) anzustimmen.


Beeindruckend, hochmotiviert, innig und anmutig, verwob der Kammerchor den wiegenden Rhythmus und die kunstvollen Stimmverflechtungen miteinander.

 

Richard Wester konnte das spätmittelalterliche Werk auf eine neue, moderne Stufe heben. Mit verhaltener Sopran-Saxophon-Begleitung umspielte, umschmeichelte er die Chorstimmen, mischte in vollendeter Harmonie sogar noch eine fünfte Stimme hinzu.

 

Danach ein kleines Gitarrensolo, dann das Cello, ein wenig nordische Melancholie in Anne Hartkamps Stimme, der Chor klinkte sich in ein berührendes Lied ohne Worte ein – mehr brauchte es nicht, der Funke der Begeisterung war längst auf das Publikum übergesprungen.


Der Initiator des Benefizkonzertes, Matthias Mau, freute sich zudem über die Eintrittsgelder von 234 zahlenden Besuchern sowie über weitere Spenden von insgesamt rund 4000 Euro für das Projekt „Zukunft bauen“ in Ngaruma. Dazu Mau: „Wir, die Tansania-Arbeits-Gruppe (TAG) und die Familie Mau, sind glücklich über diesen großen Erfolg und das tolle Musikerlebnis.“


(Ursula Raddatz)