Impressum - Zur Website der St. Nikolai-Kirche

Aus dem Flensburger Tageblatt vom 21. September 2009:

 

Harmonie und Sorglosigkeit bei Orgelweihe in St. Nikolai

 

Richard Strauss und Johann Sebastian Bach liefern die ersten Noten,
die von der neugeweihten barock-symphonischen Doppel-Orgel von 

St. Nikolai zu hören sind. Festlich erklingt  die Orgel wieder nach zwölf Jahren Bauzeit.


Sie jubiliert wieder, die Orgel von St. Nikolai, und ist damit der hörbare Ausdruck ihrer stolzen und dankbaren Kirchengemeinde. Zur Ehre Gottes erklingt sie und zum Wohlgefallen der Menschen, wie auf dem prachtvoll restaurierten Orgelprospekt unübersehbar zu lesen ist. Und weil, wenigstens in unseren Breiten, Frieden herrscht, konnte der notwendig gewordene Um- und Neubau durchgeführt werden.

 

Nun hat die neue barock-symphonische Doppel-Orgel einen ihr ureigenen Ausdruck mit einer speziellen Erweiterung erhalten, dessen ganze Klangvielfalt sie im Einweihungsgottesdienst erstmals hörbar machen durfte. Ein Hauch von Erhabenheit kam auf, mit Richard Strauss’ „Feierlichem Einzug“ für Orgel, Bläser und Pauken, der Chor, Lektoren, Pastor und Pröpstin in die Kirche geleitete.

 

Ein bewegender Moment, als nach zwölfjähriger Bauzeit die Pröpstin Carmen Rahlf die Orgelweihe vornahm, Gott zur Ehre, der Gemeinde zur Freude und zum Trost aller. Sorgt euch nicht, so lautete der Predigttext von Pastor Bornemann aus der Bergpredigt in Erleichterung darüber, dass Sorgen und Mühen um die Orgel nun ein Ende haben. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand natürlich die Orgel, sie durfte mit J.S. Bachs Präludium und Fuge in Es, BWV 552, mit glänzend-strahlender Festmusik sich selbst feiern und Gott loben mit H. Praetorius „Magnificat primi toni“.

 

Der Nikolai-Chor, präzise, voller Harmonie, unter der Leitung von KMD Michael Mages, der auch die neue Orgel erklingen ließ, trug ebenso zur festlichen Gestaltung bei wie das Kieler Blechbläser-Ensemble.

 

Im Anschluss: Grußworte von Kirchenvorstand Ralf Strohbach, Orgelbauer Gerald Woehl, Pröpstin Carmen Rahlf, Pastor i. R. Horst Neumann-Köppen, Prof. Cornelius Schneider-Pungs, der das Konzert um 20 Uhr bestritt und Stephan Richter, dem Chefredakteur des s:hz. „400 Jahre Kunst und Klang“, die Ausstellung zur Orgel wurde eröffnet von Klaus Scheinhardt und Rüdiger Burchardt, die mit viel Liebe, Kreativität und Engagement die Geschichte der Orgel darstellen. Es begann zudem der Verkauf des gerade vollendeten Buches „Die große Orgel von St. Nikolai“. Nach all diesen Festlichkeiten wird die neugeweihte Orgel sicher noch oft ihre Stimme erheben, zur Ehre Gottes und den Menschen zum Wohlgefallen.

 

(Ursula Raddatz)

 


 

 

Aus dem Flensburger Tageblatt vom 26. September 2009:

 

Ein Instrument voller Noblesse

 

Am Donnerstag Abend lauschten begeisterte und bewegte Zuhörer dem ersten Konzert an der neuen Orgel in St. Nikolai. Dazu hatte Kirchenmusikdirektor Michael Mages einen der international bekanntesten Vertreter seiner Zunft eingeladen. Prof. Harald Vogel, Bremen, gilt seit Jahrzehnten als der führende Organist auf dem Gebiet der hochbarocken, norddeutschen Orgelmusik.

 

Vogel stellte die klanglichen Qualitäten der Orgel mit einem anspruchsvollen Programm vor, das einen künstlerischen Bogen über das Zeitalter der norddeutschen Orgelmusik spannte. Für die Zuhörer, von denen viele aus Kiel, Hamburg, Lübeck und Bremen angereist waren, wurde es eine spannende Entdeckungsreise durch 150 Jahre Orgelkultur.

 

Neben den noch heute geläufigen Namen eines Matthias Weckmann, Heinrich Scheidemann, Nicolaus Bruhns und Dieterich Buxtehude stellte Vogel auch Komponisten vor, die nur noch wenigen Kennern etwas sagen: Johan Lorentz, Joh. Rudolph Radeck und Martin Radeck, zu ihrer Zeit gefeierte Musiker in Kopenhagen, verfügen über Flensburger "Wurzeln".

 

Gleiches gilt für Vincent Lübeck, dessen prächtiges Praeludium in d Harald Vogel an das Ende des Konzertabend stellte.

Vogel verfügt über eine exzellente Technik und, was wichtiger ist, über eine jahrzehntelange Erfahrung mit dieser Musik. Jedes Detail wird unter seinen Händen plastisch ausgeformt, daneben verfügt er über die große Geste, die zur Darstellung der Musik dieser Epoche so wichtig ist. 

Und die Orgel? Unter den anwesenden Fachleuten und den ganz "normalen" Musikliebhabern herrschte Einigkeit, dass hier ein Instrument von Weltrang entstanden ist, das in seiner Noblesse und Farbigkeit seinesgleichen sucht.

Weitere Konzerte im Rahmen der Festwochen: www.nikolaikirche-flensburg.de

 

(Artikel mit Bild auf www.shz.de) 

 

 


 

 

Aus dem Flensburger Tageblatt vom 30. September 2009:

 

Die große Orgel-Kunst des Maître Daniel Roth

 

Die neue symphonische Orgel von Gerald Woehl fordert die internationale Organistenelite geradezu heraus, die Fülle ihrer klanglichen Möglichkeiten anhand der großen symphonischen Literatur auf den Prüfstand spektakulärer Konzerterlebnisse zu stellen. Maître Daniel Roth, einer der renommiertesten Orgelvirtuosen unserer Zeit, unterzog den prächtigen Orgelneubau dem musikalischen Lakmus-Test mit einem fulminanten Streifzug durch die hochromantische Orgelliteratur französischer Tradition. 

 

Um es vorwegzunehmen: spätestens bei seinen abschließenden Improvisationen mit genial-verwirrender Mischung aus Gregorianik, lutherischem Choral, polytonalen Rückungen und clusterähnlichen Ballungen von erfurchtsgebietender Grandeur war wohl jedem im Auditorium bewusst geworden, dass man an diesem Abend einen großen musikalischen Moment miterlebt hatte.

 

Dabei lotete der Orgelprofessor aus Paris über weite Strecken seines ausgesuchten Programms die eher delikat-changierenden Registerfarben in ständig wechselnden Kombinationen aus: duftig-durchsichtig die feinen Strukturierungen im feinsinnigen Scherzo von Camille Saint-Saens, abgründig-fahl der orchestrale Duktus im jenseitig-verhauchenden Finale der 4.Symphonie von Louis Vierne. Ebenso immer wieder verblüffende Höreindrücke bei Daniel Roths eigener Bearbeitung der d-Moll-Sinfonie von Cesar Franck: raunende, trauermarsch-verwandte Schreitbewegungen, klagend-süße Soloregistrierungen über grau-dumpfer Grundierung, ein sehnsüchtig-skeptisches Allegretto in schwermütigster Kolorierung.

 

Daniel Roth als Komponist: aus seinem "Livre d’orgue pour le Magnificat" erklang eine sonatenform-ähnliche Auswahl charaktervoller Stücke für den Gottesdienstgebrauch. Raffinierte Klangschichtungen bei nahezu freier Behandlung der Tonalität, allmähliches Crescendo von differenzierten Kleinstrukturen im Pianissimobereich bis zum machtvollsten Plenum mit spektakulären Modulationen bei den Finalakkorden: Jubel für Grandseigneur Daniel Roth und einen mit Recht strahlenden Orgelbaumeister Gerald Woehl!

 

(Der Artikel von Detlef Bielefeld auf www.shz.de)

 

 


 

 

Aus den Flensburger Nachrichten vom 6. Oktober 2009:

 

St. Nikolai: Ein Wandler zwischen Stilwelten

Hans-Ola Ericsson an der neuen Woehl-Orgel Flensburg

 

Die St. Nikolai-Kirche entwickelt sich in diesen Wochen zu einem Mekka superber Sakral-Musik: eine prächtige Phalanx international gefragter Starorganisten und ihre außergewöhnlich spannenden Programmzusammenstellungen machen derzeit jeden Konzertbesuch zu einem suggestiven Hörabenteuer.

 

Hans-Ola Ericsson aus Schweden bewährte sich beim jüngsten Recital als souveräner Wandler zwischen gegensätzlichen Stilwelten: schwedische Orgelmusik der frühen und späten Barockperiode präsentierte der agile Virtuose auf der klassisch-historischen Orgel, um später für Zeitgenössisches flugs an den Spieltisch des symphonischen Instruments zu wechseln.

 

Traditionsgebundener Barock der aus Leipzig gebürtigen Organisten-Familie Düben machte den Anfang: schwergewichtige, geschachtelte Polyphonie bei den ausgewanderten Brüdern Düben, luftig-heitere Tanzsuitenwelten des Sohnes nur eine Generation später.

 

Lotete H.O.Ericsson hierbei feingesponnene Klangspektren der barocken Arp-Schnitger-Tradition sorgsam aus und wusste die Charakteristik der gewählten Einzelstimmen in ihrer Variationsbreite plastisch zu formen, so wurde man bei den Avantgardisten Sven-David Sandström und Bengt Hambraeus mit Klang- und Ausdruckswelten gänzlich anderer Art konfrontiert.

 

Aus dem Off des Fernwerks entwickelte sich vom fast unhörbarem Pianissimo bis zum dröhnenden Fortissimo des geclusterten Plenums der Angst- und Hoffnungsschrei des „Libera me“ von Sandström – dessen Umsetzung des urmenschlichen Hilfeschreis in immer wieder anschwellenden Crescendi jenseits aller verfolgbarer Tonalitätsgesetze geriet unter Ericsson kraftvoll-virtuosem Einsatz zur ekstatischen Klang-Klimax.

 

Nicht minder bedrohlich-luzide das percussiongeschwängerte Furioso in Bengt Hambraeus’ „Nebulosa“: hier waren Affinitäten zu Messiaens unüberhörbar, Ericsson entlockte dem Woehl’schen Rieseninstrument das Ton-Spektrum jenseitiger Unbegrenztheit.

 

Fast konventionell-balsamisch dagegen als Abschlussstück die „Messe Solennelle“ op.16 des französischen Postromantikers Louis Vierne.

 

Ein sich in prächtigster Form präsentierender SanktNikolaiChor unter Hausherr Michael Mages alternierte in kostbarer Harmonisierung und mit wunderschöner dynamischen Differenzierung mit viril-markanten und ätherisch-raunenden Registerkombinationen, die Ericsson für Fernwerk und Symphonische Orgel wählte – unvergesslich das mystisch-abgedunkelte Piano-Finale!

 

(Der Artikel von Detlef Bielefeld auf www.shz.de)

 

 


 

 

Flensburger Nachrichten vom 27. Oktober 2009:

 

Epochales Potpourri für zwei Orgeln

Wolfgang Baumgratz beeindruckt in St. Nikolai

 

Musik aus drei unterschiedlichen Epochen auf zwei Orgeln in einer Kirche: das gibt es nur in Flensburgs Nikolaikirche während der Festwochen zur Orgelweihe.

 

Wolfgang Baumgratz, Dom-Organist aus Bremen, nutzte die neuen Woehl-Orgeln in eindrücklichster Manier. Mit Felix Mendelsohn Bartholdy (1809-1847) und dessen prachtvollem Präludium und Fuge c-moll auf der symphonischen Orgel entführte er das Publikum, das den Kirchenraum bis auf dem letzten Platz gefüllt hatte, in Klangwelten der Romantik mit unüberhörbaren Anklängen an Mendelsohns großes Vorbild Johann Sebastian Bach.

Prachtstrotzende barocke Töne entlockte Baumgratz dann der historischen Schnitger-Orgel mit einem Präludium in d-moll von Andreas Kneller (1649-1724), ehemals Organist an der Hauptkirche St. Petri zu Hamburg. Wieder zurück an der symphonischen Orgel präsentierte der Bremer Meister die Klassische Moderne mit Paul Hindemith (1895-1963) und dessen erster Sonate voller Schwung – immer wieder überraschend der Einsatz des Fernwerkes mit sanften Echofiguren.

 

Der St.Nikolai-Chor hatte inzwischen auf der Orgelempore Aufstellung genommen und antwortete unter der Leitung von Hausherr Michael Mages mit Inbrunst dem präsenten Solo-Sopran von Marret Winger, die Felix Mendelsohn Bartholdys Hymne „Hör mein Bitten“ dramatisches Leben einhauchte.

 

Höhepunkt und Abschluss zugleich bildete die „Messe in D-Dur“ op. 86 von Antonin Dvorak in der Originalfassung für Chor und Orgel. Beeindruckend, wie der St.Nikolai-Chor diesem Werk mit dynamischen Steigerungen farbige Kontraste verlieh, im „Credo“ expressiv und anrührend das Leiden Christi zum Ausdruck brachte.

Die vier Solisten, Marret Winger (Sopran), Manuela Mach (Alt), Jin Hak Mon (Tenor) und Markus Wessiack (Bass) gestalteten mit fast zu viel emphatischem Nachdruck die Sätze „Benedictus“ und „Agnus Dei“.

 

Mit der Bitte um Frieden ließ der Chor engelsgleich das „dona nobis pacem“ im dreifachen Piano im weiten Kirchenraum verhauchen. Eine weitere unvergessliche Facette der Orgel-Festwochen, die neugierig macht auf kommende Höhepunkte.

 

(Der Artikel von Ursula Raddatz auf www.shz.de)

 

 


 

 

Flensburger Nachrichten vom 9. November 2009:

 

Verhaltener Jubel, gewaltige Klanggebirge,

polyphones Gewebe
Die Sterblichkeit des Menschen als übergeordnetes Konzert-Thema: Konfessionsübergreifend begann der Gang durch vier Jahrhunderte Musikgeschichte mit der klein besetzten „Capella Sankt Nikolai“ im Altarraum.
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) erklang in verhaltenem Jubel, sein „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ strahlte gelassene, heitere Zuversicht aus, im Vertrauen auf einen freundlichen Herrn und Gott. Dagegen setzte der Chor die Gradlinigkeit des Frühbarocks mit Johann Hermann Schein (1586-1630). Der Zeitgenosse von Heinrich Schütz ließ in seinen einfühlsam vorgetragenen Motetten „Herr, lass meine Klage“ und „Lehre uns bedenken“ zum Tanz in barock-höfischer Manier aufspielen – zum Tanz mit dem Tod!

Johannes Unger, prominenter Gast-Organist, gelang mit Max Reger (1873-1916) und dessen Orgel-Phantasie über den Choral „Alle Menschen müssen sterben“ ein Brückenschlag zu J. S. Bach. Zwischen Bändigung gewaltiger Klanggebirge und fein strukturierten, chromatisch-verästelten Formlabyrinthen blitzte immer wieder, wenn auch verfremdet, der Bach'sche Choral auf, ein eher selten zu hörendes Klangerlebnis, das der junge, aber bereits international erfolgreiche Organist der Marienkirche zu Lübeck mit spieltechnischer Bravour und raffinierter Registrierung im Klanguniversum der prächtigen sinfonischen Orgel eindrucksvoll gestaltete.

 

Maurice Duruflé (1902-1986) führt in seinem „Requiem“ in eine Welt der Unschuld und des inneren Friedens. Der Chor unter Michael Mages' umsichtiger Leitung bewies sein immenses stimmliches wie stilistisches Können in der Zartheit des dreifachen Piano, aber auch in den wenigen dramatischen Fortissimo-Aufschwüngen.

 

Der komplexe Klang des Ensembles „Ars Musica“ mit seiner noblen dynamischen Zurücknahme tat ein Übriges, um im Zusammenspiel mit Orgel und Chor die Seele letztlich ins Paradies zu geleiten – eine irisierend sphärische Wanderung aus sanften Tongirlanden, polyphonem Gewebe und mystisch anmutenden Klangkonstrukten. Sanftes Hinübergleiten als unspektakulärer Abschluss eines ungewöhnlich stimmigen Konzertes.

 

(Ursula Raddatz)

 

 


 

 

 

Flensburger Nachrichten vom 24. November 2009

 

Die unbegrenzten Möglichkeiten

der neuen Woehl-Orgel

 

Star des Abends war erwartungsgemäß die neue Orgel der St. Nikolaikirche zu Flensburg. Wie es zur Orgelweihe schon namhafte Kollegen vor ihm taten, erwies nun Arvid Gast (von 1990 bis 1993 Organist an eben dieser Kirche) der Königin der Instrumente seine Reverenz. Seine Begeisterung, die Möglichkeiten der neuen Woehl-Orgel ausreizen zu können, wurde vom ersten Akkord an spürbar.

 

Mit einer frisch-fröhlich dahinperlenden Toccata in F von Dietrich Buxtehude eröffnete er an der historisch-barocken Schnitger-Orgel das Konzert. Auf verwinkeltem Weg ging's dann hinunter zum modernen Spieltisch der symphonischen Orgel, während im Chorraum das Schleswig-Holstein-Sinfonieorchesters darauf wartete, mit der Orgel in einen musikalischen Dialog treten zu dürfen – in Francis Poulencs (1899-1963) Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken.

 

Unter der Gesamtleitung von Hausherr Michael Mages übernahm die Orgel stellenweise den Part eines gewaltigen Blasinstrumentes, das sich dem Streicherorchester gegenüberstellte. Verschmolzen aber beide Klangkomponenten miteinander, kämpften die Streicher meist vergebens gegen den Sog der nebulösen Akustik des Chorraumes an, wirkten selbst die Pauken wie ein Echo ihrer selbst. Die Farbigkeit der sieben voneinander abgesetzten, scharf akzentuierten Sätze ging so leider oft verloren.

 

Seine Virtuosität zeigte Gast nochmals an der Schnitger-Orgel: Mit Bachs Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur präsentierte er eine der großartigsten Pedalpassagen der Orgelliteratur.

Marco Enrico Bossi (1865-1925) fügt in seinem Konzert a-moll op. 100 den Streichern nebst Pauken vier Hörner hinzu. Erneut wurde ein Dialog mit der symphonischen Orgel um ein Choral-Thema aufgebaut, das sich als „idée fixe" durch das Werk zieht.

 

Spannungsgeladen im kraftvollen Forte-Zugriff zu Beginn, mit dunkel-dräuenden Hörnern, lyrisch-heiter im Mittelteil, wirkte dieses Thema in der Schlussphase fast atomisiert, um dann beim  Final-Tutti in den grandiosen Schlussakkorden wiederzukehren.

 

(Ursula Raddatz)

 


 

 

Flensburger Nachrichten vom 14. Dezember 2009

 

Wunderbar: Das etwas andere Weihnachtskonzert


In der Kirche findet ein jeder Platz, selbst wenn ein Konzert als „ausverkauft“ gilt. Viele Menschen füllen am Vorabend des dritten Advents St. Nikolai, lauschen zunächst Orgeltönen, die schließlich mit Saxophonklängen eine reizvolle Liaison eingehen.

Richard Wester trifft Michael Mages zum „Weihnachts-Concerto“; der Flensburger Ulf Meyer an der Gitarre und der junge Cellist Fabian Ahrens vervollkommnen das Ensemble für ein dichtes Programm aus überwiegend Bach und Balladen: Imposant und mächtig überwältigt Mages Improvisation an der Orgel „Macht hoch die Tür“, wehmütig seufzt Westers „Ostsee-Elegie“.

Das Programm kulminiert für viele Ohren in der Improvisation von „Maria durch ein Dornwald ging“, wenn Wester von der Empore hinabsteigt, durch die Gänge schreitet und das Saxophon die Geschichte nahe bringen lässt.

Organist Mages bettet die Melodie zunächst sanft ein, bis die Orgel sie machtvoll einnimmt. Gitarre und Cello erwärmen sich für das Duett, schimmern durch, zirpen und knarzen in der Dynamik, beruhigen sich. Sogar das gemeinsame Verstummen berührt.

Allein perkussive Zwischenklänge von der Empore mögen irritieren, weil sie für manche im Rücken geschehen und schwer zu verorten sind. „Herbei, oh Ihr Gläubigen“ rahmt schließlich ein, nachdem es auch Auftakt war. Richard Wester ermuntert die Gemeinde, sein liebstes Weihnachtslied rheinisch zu „schmettern“, also nicht bloß zu singen. Die Kirchgänger folgen – so fühlt sich „wir“ an, und Weihnachten ist nah.

Die Worte „War das schön“ aus manchem Mund und eine zusätzliche Gabe, Bachs Air (3. Orchestersuite in D, BWV 1068) begleiten hinaus.

 

(Antje Walther)

 


Aus dem Flensburger Tageblatt vom 29. Dezember 2009:

 

 

Lutherische Messe

beschließt Orgel-Festwochen


Ungewohnter Anblick im Chorraum von St. Nikolai: Archaisch anmutende Theorben und Zinken im historischen Instrumentarium des Concerto Farinelli ließen erahnen, dass die liturgisch-musikalische Gottesdienst-Struktur an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag etwas anders als üblich ausfallen würde.

 

Zum Abschluss der ausgesprochen attraktiven und bestens angenommenen Festwochen zur Weihe der neuen Woehl-Orgel hatte man die Rekonstruktion einer lutherischen Messe im Stile von 1610 gewählt, also aus der Entstehungszeit des prachtvollen Ringerinck-Orgelprospekts.

Gemeinde, Orgelfans und Liebhaber alter Musik erlebten in der erfreulich gut besuchten Nikolaikirche eine von Musik getragene komplette Mess-Ordnung in deutscher Sprache, in deren Verlauf auch Epistel und Evangelium psalmodierend vom Kantor vortragen wurden und lediglich Predigt und Gebet (Pastor Thomas Bornemann) dem gesprochenen Wort überlassen waren.

 

Musik als integraler Bestandteil des Gottesdienstes: Sie transportierte in sinnfälliger Weise theologische Inhalte, war nicht mehr nur schmückende Verzierung, sondern unverzichtbare „Musica Sacra“ mit verkündendem Charakter.

 

Und so fügten sich die historische Barock-Orgel (Prof. Wolfgang Zerer, Hamburg), die Chorformationen von St. Nikolai, das Concerto Farinelli und Gesangsolisten unter Leitung von Michael Mages in den dichten Kompositionen des Barockmeisters Michael Praetorius zu einem vielstimmigen Ensemble, das in immer neuen Varianten vom weihnachtlichen Wunder facettenreich zu berichten wusste.

 

Choräle und liturgische Wechselgesänge im dynamischen Miteinander mit prachtvollen Festmusiken als sinnstiftende Ergänzung zu Predigt, Abendmahl und Gebet gemäß der Forderung Arnold Schoenbergs: „Musik soll nicht nur schmücken, sondern wahr sein“.

 

(Detlef Bielefeld)